Erstklassige Tischler und weitere Talente zum Prager Krim-Korso

20.05.2017

Der Deutsch-Tschechische Kulturfrühling ist auch in die Prager Straßen eingezogen und beteiligte sich an den dortigen Nachbarschaftsfeierlichkeiten, die im Rahmen des fünften Jahrgangs des sog. Krim-Korsos stattfanden. An der Grenze der Prager Stadtteile Vršovice und Vinohrady konnten Bastler aller Generationen eigene Holzstühle bauen, wie wir sie schon aus anderen Städten kennen, wo das mobile Architekturbüro MAK! bereits vorbeigeschaut hat.

In die Krim-Straße im Prager Stadtteil Vršovice finden schon lange auch Leute, die sich sonst um die Ecke in der Moskauer Straße verlieren. Die Krim-Straße ist kurz gesagt keine normale Straße für Vršovice, wo man über geflickte Gehsteige stolpert, der Atem beim Laufen schneller wird und man lediglich finstere Hundebesitzer und kleine Winzer aus dem Pavillon Grébovka trifft. Würde man auf den Spuren der Prager Intellektuellenzirkel (dem "Prager Kaffeehaus") wandeln, führten einige der Spuren sicherlich gerade hierher, ins Café V Lese oder Sladkovský. Drumherum entstanden weitere Läden und leere Räume wurden durch Bilder, Film oder Yoga belebt. In die nähere Umgebung sind zudem Menschen gekommen, die mit Interesse ihre Umwelt gestalten und ein Nachbarschaftsfest veranstalten, für Erwachsene, Kinder, Hunde und weitere frische Bekanntschaften. Die Krim-Straße kam währenddessen in die Prager Stadtführer und so finden immer öfter auch Unentschlossene und Touristen hierher, die eine nie endende Party und offene Atmosphäre suchen, wie sie sie aus Berlin oder Barcelona kennen. Allerdings ist es wahr, dass hier die meiste Zeit außerhalb der Cafés, Restaurants und Bars nichts Interessantes passiert und die Besucher könnten nach einem kurzen Spaziergang durch die enge, von parkenden Autos gesäumte Straße der Enttäuschung anheimfallen, dass es hier kurz gesagt vollkommen normal ist.

Ein paar Mal im Jahr steppt hier aber der Bär durch die Nachbarschaft; junge, aktive und fotogene Leute bestimmen das Bild, die sich den ganzen Tag lang unterhalten und die musikalische und kulinarische Produktion verschiedenster Genre genießen. Am vorletzten Maiwochenende fand bereits zum fünften Mal der Krim-Korso statt, der von einer Nachbarschaftsfeier zu einer Massenveranstaltung angewachsen ist, die die introvertierteren unserer Nachbarn sicher bereits weniger schätzen. Man muss aber dazusagen, dass auch hier einige Plätze zu finden waren, wo man unter freiem Himmel einen ruhigen Samstagvormittag verbringen konnte. Zwar drohte seit dem Morgen Regen, schließlich aber bot er eine erfrischende Atmosphäre nach heißen Tagen, an die sich die Mitteleuropäer noch nicht wirklich gewöhnt haben, und dem Beisammensitzen auf dem Rasen mit einer Gabel in der Hand stand nichts mehr im Wege.

Beinahe in eine Oase der Ruhe haben sich die Bezručovy sady verwandelt, die von oben auf die Krim-Straße und ihre unbezähmbaren Massen herabschaut. Hier wurden gleich drei Veranstaltungen miteinander verbunden: der nachbarschaftliche Krim-Korso, das internationale Restaurant Day und der Deutsch-Tschechische Kulturfrühling, repräsentiert durch das mobile Architektenbüro MAK! und seinen Workshop zur Gestaltung von Möbeln. Die Prager bekamen hier die einzigartige Möglichkeit, mit Adam Walzer einen Holzstuhl zu bauen und diesen mit in den Park zu nehmen, in den Garten, auf die Straße, zum Ausblick, kurz gesagt dorthin, wo sie für eine kurze Weile innehalten und sitzen wollten. Das De_tsch-Team ist bereits an Kinder mit einer Bohrmaschine in der Hand gewöhnt und so folgten sie der Schaffenskraft mit einer merklich größeren Gelassenheit als die Prager Eltern, die aber gleichzeitig bewunderten, wie schnell und einfach der Bau eines solchen Holzstuhls sein kann.

Das hiesige Restaurant Day war verbunden mit dem sog. SVĚT HUB, das von Kristýna Holubová geführt wird. Sie haben sie vielleicht schon in der Nähe der minzfarbenen Rixbox gesehen, deren Betrieb sie überwacht und welche die gastronomische Begleitung des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings darstellt.

Einen Co-Working-Space, wo Leute aller Berufe zusammenarbeiten können, nennt man ebenfalls Hub, was Kristina auf SVĚT HUB brachte. Alltags kann man außer zum Arbeiten auch wegen eines Buches oder Kaffees kommen, hier und da finden auch größere Veranstaltungen für die Öffentlichkeit statt, wie Filmprojektionen, Flohmärkte oder eben das Restaurant Day. Für einen Nachmittag erweiterte SVĚT HUB sein Wirkungsfeld in die Bezručovy sady, wo ein Picknick stattfand. Hierher konnten die Nachbarn für ein kleines Gespräch oder ein Stück Rhababerkuchen (getauscht gegen Köstlichkeiten aus der eigenen heimischen Produktion) kommen, in der Regel blieb aber immer ein leerer Stuhl für zufällig Vorbeikommende frei, die sich hier gegen einen freiwilligen Beitrag erfrischen konnten. Daneben öffnete hier für einen einzigen Tag das Please-Come-Bistro, das vegetarisches indisches Essen gewürzt mit Liebe und einem Lächeln junger Männer mit Kochlöffeln in der Hand angeboten hat. Und wer an den warmen Tagen eher der kalten Küche Vorrang gab, konnte Humus aller Farben und Geschmacksrichtungen probieren und noch dazu für ausgesetzte Kätzchen spenden. Mehr Gutes kann in einen Artikel vielleicht gar nicht mehr passen.

Autorin: Barbora Langmajerová