Zwischen Pitabrot und Kraut Was können uns Immigranten bringen? Tolles Essen. Unter anderem.

19.12.2017


Die Berliner Streetfood-Szene besteht schon längst nicht mehr nur aus türkischem Döner, obwohl damit alles begann. Von den zahlreichen Immigrationswellen konnten die Deutschen in vielerlei Hinsicht profitieren, zum Beispiel durch eine vielfältige und kreative Gastronomie. Das vom Goethe-Institut organisierte Projekt "Deutsch-Tschechischer Kulturfrühling" bemühte sich, diese Erfahrung auch in Tschechien zu präsentieren.

Darina Křivánková

Die Berliner Karl-Marx-Straße sieht bereits seit einiger Zeit wie eine riesige Baustelle aus. Dafür gibt es einen Grund. Das Neuköllner Rathaus hatte vor zehn Jahren eine Studie in Auftrag gegeben, aus der hervorging, dass diese Straße komplett ohne Leben und ohne Zukunft ist. Mit anderen Worten: sie war unattraktiv für die hiesigen Bewohner, die keinen Grund hatten, hier ihre Zeit zu verbringen. Das Rathaus begann, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen. Es entstand ein Projekt mit dem Ziel, aus diesem lebenslosen Raum ein Gebiet fast ohne Autos, mit mehreren Plätzen, Fußgängerzonen, mit genug Raum für Biergärten und mit grünen Flächen zu machen.

Kaffee und Mittagessen in Rixbox

An manchen Orten ist schon zu sehen, dass der Plan sinnvoll ist und dass es funktioniert. Auf dem Alfred-Scholtz-Platz (der an der Stelle einer Kreuzung entstanden ist) können Sie sich an einem stilvollen Streetfood-Stand namens Rixbox einen guten Kaffee oder ein leckeres Mittagessen kaufen. Menschen kommen hier praktisch ununterbrochen den ganzen Tag lang vorbei. In den wärmeren Monaten finden auf dem Platz unterschiedliche Veranstaltungen unter freiem Himmel statt, die Verbindung von Essen und Kultur funktioniert gut.

Der Rixbox-Stand gehört dem sympathischen Hossein Eggebrecht. Als kleiner Jungen kam er in den 80er Jahren mit seinen Eltern nach Berlin aus dem damals sehr unruhigen Iran. Die Familie ließ sich gerade im Stadtviertel Neukölln nieder, in das historisch die meisten Immigranten gehen - einschließlich der Böhmen, die dahin im 17. Jahrhundert gekommen sind. Auch heute bilden Immigranten 40 % der Bewohner dieses Stadtviertels und es ist die Priorität des lokalen Rathauses, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies gelingt vor allem in der Gastronomie, wo sich diejenigen durchsetzen können, die eine Arbeitsqualifikation noch nicht nachholen konnten oder die deutsche Sprache noch nicht perfekt gelernt haben. Dank der Vielzahl von authentischen arabischen und asiatischen Imbissen wird Neukölln zu einem der touristisch attraktivsten Teilen Berlins. Es floriert hier nicht nur der Tourismus, sondern auch das Geschäft, obwohl das Viertel Probleme mit der Arbeitslosigkeit hat und nicht gerade zu den ruhigsten Stadtteilen gehört.

Das Neuköllner Rathaus arbeitet jedoch aktiv mit dem multikulturellen Potenzial: ihm ist klar, dass falls das Viertel zu einem freundlichen Lebensort werden soll, alle ein Interesse daran haben müssen. Als die Ausschreibung für den Streetfood-Stand auf dem neu entstandenen Platz organisiert wurde, forderte das Rathaus ein attraktives und tragfähiges Konzept. Dieses wurde gerade von Hossein vorgelegt, der aus dem wohlständigen Charlottenburg in das temperamentvolle Neukölln zurückgekehrt war. Charlottenburg ist dabei das ersehnte Ziel vieler Migranten: wenn man es dahin geschafft hat, heißt es, dass man sich wirklich integriert hat und finanziell erfolgreich ist. Hossein macht es aber auch dort Spaß, wo er gerade lebt, in Neukölln. Sein Konzept ist einfach: erstklassiger Kaffee, gutes Essen, das die deutsche Tradition mit der orientalischen Kreativität kombiniert, und erschwingliche Preise.

Hosseins Lebensgeschichte kenne ich dank dem Projekt Deutsch-Tschechischer Kulturfrühling, das mit Unterstützung des Goethe-Instituts die Fähigkeiten und das Potenzial der Integration in tschechischen Regionen präsentierte. Man fühlt sich fast bedrückt, wenn man sieht, wie sinnvoll und effizient die Deutschen dieses Problem gelöst haben: die Immigranten fanden eine neue Heimat, Deutschland wiederum neue Arbeitskräfte und tolles Essen (unter anderem). Das Neuköllner Rathaus wird seine Erfahrungen sehr gerne mit den tschechischen Kollegen teilen, wenn diese interessiert sein sollten. Das kann ich nur empfehlen, es ist sehr inspirativ. Genauso empfehle ich, die hiesigen Lokale zu besuchen, in denen sich viele unterschiedliche Einflüsse mischen. Diese Läden werden oft von Nachkommen ehemaliger Immigranten geführt, deren Denkweise den Osten und den Westen verbindet. Fast jedes Lokal basiert auf einem eigenständigen Konzept, nicht nur gastronomisch, sondern auch künstlerisch und sozial. Besuchen Sie Neukölln, es ist ein Erlebnis.

Rezept: Pitabrot mit Schweinebraten und Sauerkraut

Gastronomie ist die ideale Plattform für das Vermischen von Kulturen. Die Verbindung von traditionellen Zutaten der Berliner Küche mit arabischer Gastronomie ist sehr effizient, und vor allem sehr lecker. Die deutsche Küche hat viel gemeinsam mit der tschechischen, daher bietet dies Inspiration auch für uns.

Geräucherten Schweinenacken kochen und in dünne Scheiben schneiden. Sauerkraut erwärmen. Pitabrot im Ofen knusprig backen, halbieren und mit Mayonnaise bestreichen. Reichlich mit Sauerkraut und Schweinefleisch füllen. Mit der zweiten Hälfte des Pitabrots zudecken und halbieren. 

Den vollständigen Artikell in der Reflexausgabe hier: článek Dariny Křivánkové

Übersetzung: Jan Šmrha